Ja — Kurzzeitvermietung ist im Kanton Waadt legal, aber reguliert, kein Freifahrtschein. Seit dem 1. Juli 2022 müssen Gastgeber sich vor dem ersten Gast bei ihrer Gemeinde anmelden, die Aktivität monatlich melden und — in Bezirken, die offiziell als von Wohnungsmangel betroffen ausgewiesen sind — eine Zweckänderungsbewilligung einholen, bevor eine zuvor gewöhnlich vermietete Wohnung mehr als 90 Tage pro Jahr kurzzeitvermietet wird.

Die Regeln kommen nicht aus dem Nichts. Sie sind eine direkte Antwort auf einen seit einer Generation angespannten Wohnungsmarkt, und wer versteht, warum sie existieren, findet die Umsetzung leichter. Dieser Leitfaden behandelt den Hintergrund, die zwei relevanten Rechtsrahmen und was das für Eigentümer konkret bedeutet. Für die Anmeldung Schritt für Schritt siehe unseren Leitfaden für Montreux.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Leerwohnungsziffer im Kanton Waadt liegt seit 1999 unter der 1,5 %-Marke, die als ausgeglichener Markt gilt.
  • Seit 1. Juli 2022 regeln zwei revidierte Erlasse (LEAE und RLPPPL) Plattformvermietungen kantonsweit.
  • Eine Zweckänderungsbewilligung ist nur nötig für Wohnungen, die zuvor gewöhnlich vermietet waren, in einem Mangelbezirk liegen und mehr als 90 Tage/Jahr kurzzeitvermietet werden.
  • Anmeldung und monatliche Meldung gelten für alle Gastgeber kantonsweit, unabhängig von Bezirk oder Bewilligungsstatus.
  • Die Regeln bedeuten Regulierung, nicht Verbot — der Kanton hat sich bewusst gegen ein Verbot von Plattformvermietungen entschieden.

Warum die Waadt Kurzzeitvermietungen reguliert

Die Leerwohnungsziffer im Kanton Waadt liegt seit 1999 unter der Marke von 1,5 %, die gemeinhin als ausgeglichener Markt gilt — eine der am längsten anhaltenden Wohnungsknappheiten unter den Schweizer Kantonen. 2018 waren im Kanton fast 4'000 Zimmer und ganze Wohnungen allein auf Airbnb inseriert, eine Zahl, die gross genug war, dass zwei Waadtländer Grossrätinnen und Grossräte den Staatsrat aufforderten, klare Regeln für solche Plattformen zu schaffen — aus Sorge, dass Wohnraum dauerhaft aus dem gewöhnlichen Mietmarkt abwandert und Untermietpreise weiter nach oben treibt.

Die Regeln von 2022: zwei Gesetze, ein Ziel

Seit dem 1. Juli 2022 reguliert der Kanton diesen Bereich über zwei revidierte Erlasse — das Gesetz über die Ausübung wirtschaftlicher Tätigkeiten (LEAE) und die Verordnung zum Erhalt des Mietwohnungsbestands (RLPPPL). In Bezirken, die das Wohnungsamt jedes Jahr offiziell als von Wohnungsmangel betroffen ausweist, braucht es für die Umwandlung einer zuvor gewöhnlich vermieteten Wohnung in eine Kurzzeitvermietung von mehr als 90 Tagen pro Kalenderjahr neu eine Zweckänderungsbewilligung, die über die Gemeinde beantragt wird. Unabhängig von dieser Grenze muss sich jede Person, die eine Wohnung über eine Plattform vermietet — unabhängig vom Bezirk —, spätestens 10 Tage vor der ersten Übernachtung bei ihrer Gemeinde anmelden und die Aktivität danach monatlich melden. So behalten die Gemeinden die Einhaltung der 90-Tage-Grenze im Blick und stellen sicher, dass die Kurtaxe tatsächlich erhoben wird.

Eine Frage der Fairness, nicht nur des Wohnungsmarkts

Der Wohnungsmangel war nicht die einzige Sorge der Behörden. Private Gästezimmer nach Airbnb-Art stehen in direkter Konkurrenz zu lizenzierten Hotels — anders als diese deklarieren Privatpersonen ihre Mieteinnahmen jedoch nicht immer zuverlässig gegenüber den Steuerbehörden, melden ausländische Gäste nicht durchgehend der Polizei und erheben nicht immer die Kurtaxe, obwohl das für ein Hotel Standard ist. Ohne Regulierung hätte diese Lücke privaten Inseraten einen Kostenvorteil gegenüber professionellen Betrieben verschafft, deren Einnahmen die lokale Tourismusförderung und -infrastruktur mitfinanzieren.

Warum Regulierung statt Verbot

Der Staatsrat hat diese Bedenken gegen den Nutzen solcher Plattformen abgewogen — mehr Betten in Spitzenzeiten und einen echten touristischen Schub für die Region — und sich für Regulierung statt Verbot entschieden. Kurzzeitvermietungen über Plattformen gelten damit als reale, dauerhafte Nachfrage und nicht als etwas, das es zu beseitigen gilt.

Zwei Regelwerke, lokal vollzogen

Der Kanton Waadt besteht aus vielen Gemeinden mit weitreichender Autonomie in der Wohnungspolitik, und es sind diese Gemeinden — nicht der Kanton direkt —, die beide Regelwerke im Alltag überwachen. Das sorgt für einige Komplexität: Die RLPPPL-Regeln zum Erhalt des Mietwohnungsbestands gelten nur für Wohnungen, die zuvor gewöhnlich vermietet waren und in einer aktuell als Mangelgebiet ausgewiesenen Gemeinde liegen, während die LEAE-Regeln zur wirtschaftlichen Tätigkeit für alle Vermietenden und Plattformnutzenden im ganzen Kanton gelten, unabhängig von Lage oder Mangelstatus. Die Erhebung der Kurtaxe läuft über einen weiteren, separaten Kanal: Der Gemeindeverband (UCV) vermittelt zwischen Airbnb und den einzelnen Gemeinden, wobei jede Gemeinde selbst entscheidet, ob sie diese Lösung nutzt.

In seiner eigenen veröffentlichten Bilanz rät der Kanton anderen Behörden, die ähnliche Regeln erwägen, ein Instrument zum Erhalt des Mietwohnungsbestands zu schaffen, das flexibel genug ist, um sehr unterschiedliche Angebots- und Nachfragesituationen von Bezirk zu Bezirk abzubilden, frühzeitig die Unterstützung der Gemeinden zu sichern, da diese die Regeln letztlich vollziehen, und den Teil zur wirtschaftlichen Tätigkeit so leichtgewichtig und autonom wie praktisch möglich für die zuständigen Gemeinden zu halten.

Der Markt in Zahlen

367Aktive Inserate in Montreux erfasst
43%Von Mehrfach-Vermietenden gehalten
140Ø Verfügbarkeitstage pro Jahr
0%Zeigen öffentlich eine Lizenznummer

Unabhängige Daten aus der Inside-Airbnb-Momentaufnahme vom Juni 2026: Von den rund 5'300 kantonsweit erfassten Inseraten gehören 43 % zu einem Host mit mehr als einer Immobilie — genau die Art professioneller, skalierter Tätigkeit, für die diese Regeln geschaffen wurden. Keines der erfassten Inserate zeigte in den öffentlichen Daten eine Lizenz- oder Registrierungsnummer (das spiegelt, was Hosts öffentlich anzeigen, nicht eine formelle Compliance-Prüfung).

Weiterführend: Anmeldung Schritt für Schritt · Regeln in Villeneuve · Steuern & MWST · Versicherung

Bahram Khanlarov
Bahram Khanlarov

Gründer von Riviera Host. BBA Hospitality (Glion), MSc Tourism (FHGR), MSc Data Science (HSLU). 8+ Jahre Erfahrung in der Verwaltung von Kurzzeitvermietungen an der Schweizer Riviera.

Wollen Sie, dass wir das für Sie übernehmen?

Wir übernehmen die Gemeindeanmeldung, die Zweckänderungsbewilligung, falls erforderlich, und das monatliche Reporting — standardmässig, für unser gesamtes Waadtländer Portfolio.

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Häufig gestellte Fragen

Ist Kurzzeitvermietung im Kanton Waadt legal?

Ja. Die Waadt reguliert Plattformvermietungen, statt sie zu verbieten. Seit dem 1. Juli 2022 müssen Gastgeber sich vor dem ersten Gast bei ihrer Gemeinde anmelden, die Aktivität monatlich melden und — in Bezirken, die offiziell als von Wohnungsmangel betroffen ausgewiesen sind — eine Zweckänderungsbewilligung einholen, bevor eine zuvor gewöhnlich vermietete Wohnung mehr als 90 Tage pro Jahr kurzzeitvermietet wird.

Was ist die 90-Tage-Regel in der Waadt?

War Ihre Wohnung zuvor auf dem gewöhnlichen Mietmarkt und liegt sie in einer Gemeinde, die aktuell auf der Mangelliste des Wohnungsamts steht, braucht die Umwandlung in eine Kurzzeitvermietung von mehr als 90 Tagen pro Kalenderjahr eine Zweckänderungsbewilligung des kantonalen Wohnungsamts, beantragt über Ihre Gemeinde.

Warum hat die Waadt diese Regeln eingeführt?

Die Leerwohnungsziffer im Kanton Waadt liegt seit 1999 unter der Marke von 1,5 %, die als ausgeglichener Markt gilt. 2018 waren fast 4'000 Zimmer und Wohnungen allein auf Airbnb inseriert, was Befürchtungen weckte, dass Kurzzeitvermietung einen bereits angespannten Mietmarkt weiter verknappt und Untermietpreise nach oben treibt.

Brauchen alle Gastgeber in der Waadt eine Zweckänderungsbewilligung?

Nein — nur Gastgeber, die eine zuvor auf dem gewöhnlichen Mietmarkt gehaltene Wohnung in einer aktuell auf der Mangelliste stehenden Gemeinde mehr als 90 Tage pro Jahr kurzzeitvermieten. Anmeldung und monatliche Meldung gelten dagegen für alle Gastgeber im Kanton, unabhängig vom Bezirk.

Übernimmt eine Verwaltung die Anmeldung und das Bewilligungsverfahren in der Waadt?

Eine Full-Service-Verwaltung sollte die Gemeindeanmeldung, die Zweckänderungsbewilligung, falls erforderlich, sowie das monatliche Reporting in Ihrem Namen übernehmen. Lassen Sie sich das schriftlich bestätigen, bevor Sie unterschreiben — unser vollständiger Anmeldeleitfaden zeigt die genauen Schritte.

Quelle: Bundesamt für Wohnungswesen (BWO), Fallstudie Canton de Vaud, veröffentlicht am 4. Oktober 2024. Marktdaten: Inside Airbnb, Datensatz Waadt, 15. Juni 2026, lizenziert unter CC BY 4.0.